Fonds ist nicht gleich Fonds

Über das Desaster rund um die Wirecard Aktie hatte ich bereits berichtet.

Das Fazit des Posts war, dass das unsystematische Risiko einer einzelnen Aktie ganz einfach durch breite Streuung wegdiversifiziert werden kann, was am einfachsten mit Investmentfonds funktioniert.


Manch Anleger mag sich daraufhin gedacht haben:


„Prima – dann mache ich ja alles richtig – ich lege in Fonds an und habe dadurch eine optimale Streuung. Das Schicksal einer einzelnen Aktie interessiert mich nicht!“


Kann diese Aussage so pauschal stehen bleiben?


NEIN!


Ein deutscher Anleger legt üblicherweise wo an? Richtig – in Deutschland! Auf der Suche nach einem passenden Fonds gibt er „Aktienfonds Deutschland“ bei Google ein und erhält als erstes Ergebnis eine Auflistung der 10 größten Fonds für deutsche Aktien von focus money vom 02.08.2019. Ganz vorne im Ranking steht der Fonds „Aktien Deutschland“ der DWS (Deutsche Bank Gruppe) Die Beschreibung lautet:


„Der DWS Deutschland investiert in substanzstarke deutsche Standardwerte (Blue Chips) aus dem Dax unter einer flexiblen Beimischung von ausgewählten Nebenwerten (Small Caps und Mid Caps). Aktuell hält er 50 Titel darunter SAP , Allianz und Siemens als Top-Positionen.“


Der Gedanke, dass man über diesen Fonds breit gestreut in deutsche Aktien investieren kann, ist naheliegend. Ein Blick in den Halbjahresbericht offenbart allerdings, dass knapp 30% des Fondsvermögens auf nur 3 Titel aufgeteilt sind. Größte Position: Wirecard mit einer Gewichtung von 10,86% des Fondsvermögens. (Quelle: Halbjahresbericht DWS Deutschland Vermögensaufstellung zum 31.03.2020) Zur Erinnerung: Bereits im Januar 2019 hat die Financial Times auf Ungereimtheiten in der Bilanz von Wirecard hingewiesen.


30% des Fondsvermögens auf nur 3 Titel zu verteilen, hat nichts mit Streuung zu tun, ist bei aktiv gemanagten Fonds aber durchaus üblich.


Möchte man das unsystematische Risiko einzelner Aktien mittels einer breiten Streuung eliminieren, muss man schon etwas genauer hinsehen! Meines Erachtens kann von ausreichender Streuung dann gesprochen werden, wenn die Gewichtung eines einzelnen Titels maximal 1% des Fondsvolumens ausmacht.


In einem guten Portfolio sollte zusätzlich über viele verschiedene Branchen investiert werden, um das unsystematische Branchenrisiko zu eliminieren. Beschränkt man sich als deutscher Anleger auf den deutschen Aktienmarkt, greift man auf gerade mal ca. 3% des weltweiten Aktienmarktes zurück. 97% des Marktes bleiben unberücksichtigt. Ein gutes Portfolio ist also auch international gestreut. Orientiert man sich bei der Gewichtung der einzelnen Länder an der Weltmarktkapitalisierung, ist jedes Land analog der Größe seines Aktienmarktes gut repräsentiert. Solche Portfolios können sehr einfach mit wenigen guten und kostengünstigen Fonds zusammengestellt werden.


Mit einem nach diesem Muster aufgestellten Portfolio hat man jedes unsystematische Risiko eliminiert, kann sich entspannt zurücklegen, kurzfristige Marktschwankungen aussitzen und sich langfristig an attraktiven Renditen erfreuen.

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